Grundsätzlich gehen wir mit Gesetzen, Glaubenssätzen, Werturteilen und Verstrickungen (meist noch von unseren Vorfahren) durch das Leben, mit denen wir uns das eine erlauben und anderes verbieten.

Der Prozess des Erwachsenwerdens bedeutet, die Gesetze der Eltern zu brechen und eigene zu schaffen. Doch es genügt nicht, die Gesetze unserer Eltern „zu brechen“, wenn wir gleichzeitig für jede „Überschreitung“ (sozusagen als Ausgleichsversuch) sofort Schuldgefühle in uns erzeugen. Wenn wir Schuldgefühle haben, dann lassen wir uns immer wieder Formen der Selbstbestrafung einfallen. Diese Dynamik liegt mit an der Wurzel aller Problem – oder Opfersituationen. Schuldgefühle „schützen“ uns vor dem Voranschreiten und den nächsten Schritt zu tun. Obwohl Schuldgefühle niemandem hilfreich sind, erzeugen sie in uns – nach dem Prinzip „Leiden ist leichter als Handeln - die Illusionen damit bereits gehandelt zu haben. Wir gewinnen damit den Eindruck, nicht Handeln zu müssen. Wir setzen Schuldgefühle auch ein, um uns selbst zu kontrollieren. Entweder werden wir anderen gegenüber aggressiv, oder wir ziehen uns zurück und richten durch Aufopferung, Minderwertigkeitsgefühl und ein negatives Selbstbild die Aggressionen gegen unsere eigene Person. Wenn wir Schuldgefühle haben, fühlen wir uns schlecht. Dann handeln wir entweder ebenfalls schlecht, oder wir kompensieren die Schuld durch den Versuch, besonders gut zu Handeln. Doch diese Art „guten“ Handelns trägt keine Früchte. Ein solches „gut sein“ will nur „beweisen“ dass wir gut sind, während wir uns in Wirklichkeit schuldig fühlen. Schuldgefühle lassen keine Richtigstellung zu, da sie besagen, dass wir eher eine Strafe als eine Berichtigung verdient haben.

Unsere jahrelang eingeübten Glaubenssätze, unsere Muster, unser „Selbstbildnis“ wirken natürlich in jedem Lebensbereich – in der Beziehung, in der Arbeit etc... Und deren Grenzen sind sehr stark abgesteckt und jedes Mal, wenn wir diese Grenzen sprengen bzw. erweiten möchte, zieht es uns meist doch wieder zum sicheren Platz, „so wie wir es gelernt haben“ (zu unseren Glaubenssätzen) zurück. Dort kennen wir alles, dort sind wir zu Hause, dort ist alles kontrollierbar und überschaubar. Ich gebe zu, dass es ein sehr mutiger Schritt ist, diese Grenzen zu sprengen. Wir wagen uns in ein neues Gebiet und wir wissen meist nicht was uns dort erwartet. So entscheiden wir uns oft ein ganzes Leben lang, lieber in unserem kleine engen Gefängnis „geschützt“ zu bleiben. Leiden ist meist leichter als Handeln.

Solange wir in diesem Kreislauf gefangen sind, können unsere Probleme niemals verstanden, geheilt und aufgelöst werden. Wenn wir uns in dieser Weise selbst angreifen und verurteilen, werden wir unweigerlich auch andere verurteilen. Wenn wir uns selbst befreien, befreien wir auch unsere Mitmenschen.

Als eine Form des Selbstangriffs gehört Schuld zu den extrem Selbstzerrstörerischen Konzepten, denn sie führt dazu, dass wir uns vom Leben und aus Beziehungen zurückziehen. Schuldgefühle zu haben, ist eine Spirale nach unten, denn je mehr wir uns selbst bestrafen, desto schlechter und schuldiger werden wir uns fühlen. Je schlechter wir uns fühlen, desto mehr werden wir von unserer Schuld überzeugt sein und uns dann noch mehr bestrafen. Die „Bestrafung“ wird nie genug sein!

Bei meinen Seminaren „Durchbruch zur Freiheit“ sehen wir uns an, warum wir uns schlecht und schuldig fühlen. Wir versuchen herauszufinden wo wir uns selbst angreifen oder bestrafen oder andere dazu benützen dies für uns zu tun. Wir erlauben uns ganz bewusst die „Gesetzesübertretung“ und befreien uns aus dem Kreislauf der Schuldgefühle und Selbstbestrafung.

Statt einem Fehler ein „Denkmal“ zu errichten, berichtigen wir den „Fehler“, erkennen unsere Unschuld und machen den nächsten Schritt nach vorne.

Ein Leben voller Energie, in Lust und Freude, in der Fülle umsorgt sein, erfolgreich handeln, helfen, heilen und glücklich sein.

< zurück